26. Oktober 2021 / Roman Wedel

Nachrufe - Die Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften trauert um Herrn Professor Karl-Heinz Sommer und Herrn Professor Reinhold Nickolaus

Herr Professor Karl-Heinz Sommer und Herr Professor Reinhold Nickolaus, beide Institut für Erziehungswissensft, sind im Oktober verstorben.

Die Fakultät trauert um Karl-Heinz Sommer und Reinhold Nickolaus

Die Fakultät ist in großer Trauer um die beiden Kollegen Karl-Heinz Sommer und Reinhold Nickolaus, die im Oktober kurz hintereinander verstorben sind. Die Kollegen haben aufeinander folgend und für lange Jahre die Abteilung für Berufs-, Wirtschafts- und Technikpädagogik am Institut für Erziehungswissenschaft geleitet und sich für Fakultät und Universität in vielfältiger und bemerkenswerter Weise engagiert.  

Karl-Heinz Sommer (1.5.1933 – 06.10.2021) schloss 1961 das Diplomstudium der Wirtschaftspädagogik an der Universität zu Köln ab und war am dortigen Lehrstuhl bis 1971 wissenschaftlicher Mitarbeiter. 1965 promovierte er mit einer Arbeit über Fernunterricht und wurde 1971 auf die Professur für „Allgemeine Pädagogik, Schwerpunkt Berufs- und Wirtschaftspädagogik“ an die PH Weingarten berufen. 1973 übernahm er den Lehrstuhl für Berufspädagogik an der Universität Stuttgart, den er bis zu seiner Emeritierung 2001 innehatte.

In Stuttgart widmete er sich mit großem Engagement der Weiterentwicklung der gewerblich-technischen Lehrkräfteausbildung an der Universität Stuttgart. Eines seiner großen Ziele für die Gestaltung des beruflichen Lehramts konnte er verwirklichen, als zum Wintersemester 1991/92 mit dem Diplomstudiengang Technikpädagogik das Staatsexamen abgelöst wurde und die Studierenden analog zum Diplomstudiengang Wirtschaftspädagogik fortan die Universität mit einem akademischen Abschlussgrad verlassen konnten. Entsprechend wurde 1992 die Abteilungsbezeichnung in Berufs-, Wirtschafts- und Technikpädagogik erweitert.

Auch war Sommer Verfasser zahlreicher Publikationen zur Lehrerbildung, zur Didaktik und zu historischen Fragen der Berufsbildung und der Begründer und Herausgeber der Publikationsreihe „Stuttgarter Beiträge für Berufs- und Wirtschaftspädagogik“. In seiner Arbeit akzentuierte er insbesondere bildungspolitische und didaktische Fragen der gewerblich-technischen Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis und arbeitete dabei auch forschungsmethodisch in großer Breite und Sichtbarkeit.

Von bleibendem Wert ist insbesondere sein Beitrag zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Seine offene und liberale Haltung in Lehre und Forschung führte dazu, dass Studierende an der Berufs- und Wirtschaftspädagogik Interesse schöpften und sich in Stuttgart im Laufe der Zeit eine ansehnliche Zahl an produktiven Wissenschaftler*innen herausbilden konnte, die in ihm ein großes Vorbild fanden. Karl-Heinz Sommer hinterlässt ein großes Erbe, das in seinen Werken weiterlebt.

Im Jahr 2002 übernahm Reinhold Nickolaus (29.07.1952 – 22.10.2021) die Leitung der Abteilung Berufs-, Wirtschafts- und Technikpädagogik nach der Emeritierung von Sommer, bei dem er 1987 mit der historischen Studie „Politischer Unterricht an gewerblichen Berufsschulen in Baden und Württemberg im gesellschaftlichen Kontext“ promoviert wurde und zuvor auch das Lehramtsstudium für berufliche Schulen an der Universität Stuttgart mit den Studienfächern Elektrotechnik, Mathematik und Berufspädagogik absolviert hatte. Die Habilitation folgte im Jahr 1996 mit einer Untersuchung zur „Gewerbelehrerbildung im Spannungsfeld des Theorie-Praxis-Problems und unter dem Anspruch divergierender Interessen“. 1998 wurde er an die Leibniz-Universität Hannover berufen, wo er die Leitung des Instituts für Berufspädagogik sowie des Instituts für Umweltschutz in der Berufsbildung übernahm.

Mit seinem Ruf nach Stuttgart übernahm er in Fakultät und Universität vielfältige Aufgaben und wirkte auf unterschiedlichen Ebenen. So war er etwa Vorsitzender der gemeinsamen Kommission für das Lehramt, wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für Lehre und Weiterbildung, Prodekan der Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und Vorstandsmitglied der Professorenschaft der Universität Stuttgart sowie langjähriger Vorstandsvorsitzender des Förderkreises Berufs-, Wirtschafts- und Technikpädagogik Stuttgart e.V. In den Jahren 2003 bis 2006 war er Vorstand der Sektion Berufs- und Wirtschaftspädagogik.

Reinhold Nickolaus war über die Disziplin- und Systemgrenzen hinaus ein gefragter Experte bei Fragen zur Berufsbildungsforschung und zu berufsbildungspraktischen Themen und hat auch Diskurse nie gescheut, um wissenschaftliche Probleme mit großer Kraft und Energie voranzutreiben.

Seine unzähligen Bücher und Artikel, in denen er sich mit unterschiedlichsten Fragen der Berufsbildung, etwa den Effekten unterschiedlicher Bildungsmaßnahmen oder Fragen der Förderung leistungsschwächerer Jugendlicher wie auch der Hochschuldidaktik beschäftigte, dokumentieren die große Breite seines wissenschaftlichen Wirkens. Von bleibendem Wert sind insbesondere auch seine Arbeiten im Bereich der beruflichen Kompetenzmodellierung und -messung; hierbei wurde seine Arbeitsgruppe insbesondere auch mit anspruchsvollen forschungsmethodischen Zugängen weithin bekannt.

Reinhold Nickolaus war ein Hochschullehrer, wie er im Buche steht. Er hat Generationen Studierender und junger Wissenschaftler*innen geprägt und auf ihrem Weg begleitet, die sein Erbe in alle Himmelsrichtungen mitgenommen und weiterentwickelt haben.

 

Rückblickend ist die durch Reinhold Nickolaus vorangebrachte Entwicklung des Lehrstuhls für Berufspädagogik an der Universität Stuttgart ohne die durch Karl-Heinz Sommer vollzogene Grundlegung kaum denkbar.

Die Fakultät verliert mit Karl-Heinz Sommer und Reinhold Nickolaus zwei Wissenschaftler und Menschen, die ihre Disziplin mit Klugheit, Schaffenskraft und Weitsicht um wichtige Erkenntnisse bereichert haben. Sie werden sehr fehlen und unvergessen bleiben.

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